Meinungen

Die “Drei-Klassen-Gesellschaft” im Unternehmen

Im Mittelpunkt der internen Unternehmenskommunikation steht die Zielgruppe “Mitarbeiter”. Ein interessanter Aspekt für die Mitarbeiterkommunikation ergibt sich, wenn man die Mitarbeiter einmal unter dem Gesichtspunkt »Bindung ans Unternehmen« betrachtet.
In vielen Unternehmen lassen sich dabei drei Gruppen von Mitarbeitern unterscheiden:
■ Die Mitarbeiter, die zur Stammbelegschaft gehören: Sie sind die Träger der Kernkompetenzen des Unternehmens sind, sie fühlen sich den Werten des Unternehmens verpflichtet und sind die Repräsentanten der Unternehmenskultur. Ihre Bindung an das Unternehmen ist langfristig und zu einem großen Teil emotional geprägt (»Ich arbeite beim Daimler.«).

■ Die Mitarbeiter, die sich am besten als “wanderbereite Professionals” bezeichnen charakterisieren lassen: Ihre Bindung ans Unternehmen ist allein von den materiellen Anreizen und von den Möglichkeiten einer professionellen Berufsausübung abhängig. Das heißt, vor allem Entgelt, Qualität der Arbeitsplatzausstattung, interessante Aufgaben und gute Arbeitsbeziehungen im Team entscheiden über die Verweildauer im Unternehmen. Wenn das nicht mehr stimmt, dann geht man. Ein typisches Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit für diese Kategorie von Mitarbeitern sind die Investmentbanking-Teams, die geschlossen von Bank zu Bank zogen – je nach dem, wo mehr geboten war.     

■ Die Mitarbeiter, deren Arbeitsplätze latent zur Disposition stehen und dazu dienen, die Arbeitsplätze der Stammbelegschaft zu sichern: Sie tragen nur in geringem Umfang zur Wertschöpfung bei und ihre Aufgaben lassen sich relativ einfach nach Außen verlagern. Von ihrem Status her haben sie typischerweise einen befristeten oder aber gar keinen Arbeitsvertrag mit dem Unternehmen und sind in der Regel Mitarbeiter einer Zeitarbeitsfirma oder abhängig beschäftigte Freelancer. Ihre Verweildauer im Unternehmen ist eher kurz. Die Motivation dieses Personenkreises basiert zu einem Teil darauf, dass sich Chancen ausgerechnet werden, einen Arbeitsplatz der beiden anderen Kategorien zu bekommen. Zu dieser Mitarbeitergruppe sind auch jene Mitarbeiter zu rechnen, die zwar einen Arbeitsvertrag mit dem Unternehmen haben, aber eher auf Niedriglohnniveau in einem Randbereich des Unternehmens Dienstleistungen erbringen (»Das atmende Unternehmen!«)

Die sehr unterschiedlichen Motivations- und Interessenslagen dieser drei Mitarbeitergruppen müssten bei der Kommunikationsplanung ihren Niederschlag finden. Vielleicht muss Interne Kommunikation vor diesem Hintergrund das Ziel überdenken, das da oft lautet: »Zur Bindung und zur Identifizierung der Mitarbeiter mit dem Unternehmen beitragen«. Zum einen wird es bei dieser Konstellation nicht gelingen und zum anderen ist dieses Anliegen möglicherweise kontraproduktiv: Mindestens für einen Teil der Mitarbeiter ist von Seiten der Geschäftsleitung eine zu starke Bindung gar nicht gewünscht, sie behindert eher die flexible Anpassung des Personalstands.